23. Oktober | 17 Uhr
Zwischen Präsenz und Auflösung
Zwei Künstlerinnen, ein zentrales Thema: Das weibliche Porträt und die Natur in kraftvoller Abstraktion.
Klassische Sehgewohnheiten werden bewusst aufgebrochen. Geleitet von einem feinen Gespür für Linien, Formen und Strukturen zeigen Birgit Aichele und Constanze Onischke im Kulturzentrum Trudering eine eigenständige Interpretation weiblicher Identität zwischen Nähe und Distanz, Klarheit und Auflösung.
Durch Übermalen, Besprühen und Bekleben entstehen vielschichtige Bildräume: Aus Neutralem wird Farbiges, aus Intensität wieder Reduktion.
Malerei erscheint hier als Prozess – ein permanentes Vor und Zurück, ein Schichten und Freilegen. Im Spiel mit Farbe, Textur und Material zeigt sich zugleich ein biografischer Bezug zur Mode.
Birgit Aichele
lebt und arbeitet als Modedesignerin und Künstlerin
in München und Düsseldorf.
Instagram: b.malt_ba

Freie, ausladende Pinselstriche statt kontrollierter Mausklicks bilden den Ausgangspunkt einer Malerei zwischen Intuition, Material und Verdichtung. Die Arbeiten von Birgit Aichele bewegen sich zwischen floralen Motiven, menschlicher Figur und freier Abstraktion. Diese Bildwelten erscheinen nicht als getrennte Serien, sondern als miteinander verbundene Zustände eines fortlaufenden malerischen Prozesses.
Ausgehend von Naturformen und figurativen Fragmenten entstehen vielschichtige Kompositionen, in denen sich Farbe, Struktur und Material überlagern, auflösen und neu verbinden. Florale Elemente wie Blüten oder pflanzliche Formen treten ebenso in Erscheinung wie Gesichter und Körperfragmente, die weniger als Porträts, denn als Träger innerer Zustände, Stimmungen gelesen werden.
Die Figur erscheint dabei nicht als Abbild, sondern als Präsenz. Sie verbindet sich mit floralen Formen und abstrakten Bildräumen zu offenen Kompositionen, in denen sich Wahrnehmung, Emotion und Erinnerung überlagern. Ein zentrales Element der Arbeiten ist die Materialität. Collage, textile Fragmente und strukturgebende Materialien wie Sand oder Marmormehl erweitern die Malerei um eine haptische Ebene. Die Verbindung von malerischer Geste und textilen Strukturen verweist auf die biografische Nähe der Künstlerin zur Mode, bleibt jedoch Teil einer eigenständigen malerischen Sprache.
Constanze Onischke
lebt und arbeitet als Designerin und Künstlerin in München.
Instagram: domo_kunst
In ihren Acrylarbeiten auf Leinwand verbindet Constanze Onischke Einflüsse aus ihren Erfahrungen am Theater und ihrem Modedesign-Studium mit zeitgenössischer Porträtmalerei.
Die intensive Beschäftigung mit Kostümen, dem menschlichen Körper und der Dynamik der Bühne prägt bis heute ihren unverkennbaren Stil.

Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht das weibliche Gesicht. Inspiriert von der Pop-Art bricht sie klassische Porträts bewusst auf: Sie reduziert Formen auf das Wesentliche, arbeitet mit grafischen Linien und setzt auf dynamische Farbkompositionen. Durch den gezielten Einsatz von Neonfarben entstehen Gesichter von fast bühnenhafter Leuchtkraft. Diese Werke fangen feminine Identität und emotionale Momentaufnahmen in einer visuell überreizten Welt ein – sie balancieren faszinierend zwischen Erkennbarkeit und wilder Abstraktion.
Neben dem Gesicht dient der Künstlerin die Natur als zweite große Kraftquelle. Die organischen Strukturen und Formen der Natur übersetzt Constanze Onischke auf der Leinwand in eine eigene, charakterstarke und farbgewaltige Bildsprache.